Unser göttliches Potenzial

 

 

Ich bete darum, dass der Geist Gottes, nämlich der Heilige Geist, bei Ihnen und bei mir ist, wenn ich nun einige Punkte tiefgreifender Lehre mit Ihnen erörtere. Ich bete darum, dass unser Geist gemeinsam erbaut und erleuchtet wird.

 

 

 

Jeweils zu Beginn einer Evangeliumszeit, auch Dispensation genannt, erhielten die Propheten eine wichtige und tiefgreifende Offenbarung über das Vorherdasein, den Grund der Schöpfung sowie über das Wesen Gottes und Jesus Christus. Zum Beispiel lesen wir von einer solchen Offenbarung bzw. Vision bei Mose und bei Abraham in der köstlichen Perle. Solche Offenbarungen waren notwendig, um besser verstehen zu können, warum die Erde erschaffen wurden ist und welches Potenzial wir haben. Außerdem hatten die Propheten dadurch ein besseres Verständnis über die Natur unseres himmlischen Vaters und seines Sohnes, Jesus Christus. Die Rolle und Bedeutung des Sühnopfers wurde dadurch klar. Keiner von uns ist ein Zufallsprodukt, sondern ein Kind himmlischer Eltern mit der Möglichkeit, so zu werden, wie unsere himmlischen Eltern sind. Dieses Verständnis war für Abraham, Mose und viele anderen Propheten Motivation und Trost, die sie in ihrer Aufgabe brauchten.

 

Auch Joseph Smith erhielt eine solche Offenbarung, nämlich am 6. Mai 1833 zu Kirtland. Diese finden wir heute im Abschnitt 93 im Buch Lehre und Bündnisse. Die Inhalte dieser Offenbarung haben Joseph Smith sein ganzes Leben lang begleitet und beschäftigt, denn der Inhalt dieser Offenbarung war bis zu dem Zeitpunkt unbekannte Lehre, die dadurch wiederhergestellt wurde. Ich möchte daraus den Vers 36 zitieren, wo wir etwas mehr über unseren Himmlischen Vater erfahren.

 

 

 

„Die Herrlichkeit Gottes ist Intelligenz oder, mit anderen Worten, Licht und Wahrheit.“

 

 

 

Dieser einfache Satz hat doch eine sehr tiefgründige Bedeutung. Allein über die Bedeutung des Wortes „Intelligenz“ lässt sich sehr viel und sehr tiefgreifend besprechen. Aber ich möchte mich kurzfassen. Grundsätzlich sagt man, dass derjenige intelligent ist, der sein Wissen anwendet. Unser Himmlischer Vater hat ein perfektes und allumfassendes Wissen, welches er auch zu unserem Nutzen anwendet. Dadurch können wir Licht und Wahrheit in unserem Leben empfangen.

 

 

 

Joseph Smith belehrte einst die Brüder in der sogenannten „Schule der Propheten“ folgendes über den nutzbringenden Glauben an Gott.

 

 

 

„Lasst uns hier beachten, dass drei Dinge notwendig sind, so dass jedes rationelle und intelligente Wesen Glaube an Gott ausüben kann, welches zu Leben und Errettung führt.

 

Erstens: Die Vorstellung, dass er tatsächlich existiert.

 

Zweitens: Eine korrekte Vorstellung über seinen Charakter, Vollkommenheit und Eigenschaften.

 

Drittens: Ein tatsächliches Wissen, dass der Kurs des Lebens, welchen man anstrebt, im Einklang mit seinem Willen ist. Wenn man diese drei wichtigen Fakten nicht kennt, dann ist der Glaube eines jeden rationellen Wesens unvollständig und unproduktiv. Aber mit diesem Verständnis kann der Glaube vollständig und fruchtbar werden, in Rechtschaffenheit verbleibend, so dass Gott der Vater und der Herr Jesus Christus gepriesen und verherrlicht werden.“

 

(Lectures in Faith 3:2-5)

 

 

 

Abraham lernte in einer Offenbarung:

 

 

 

„Und der Herr sprach zu mir: Diese zwei Tatsachen bestehen, daß es zwei Geister gibt, und der eine ist intelligenter als der andere; es gibt noch einen weiteren, der intelligenter ist als sie; ich bin der Herr, dein Gott, ich bin intelligenter als sie alle.“

 

 

 

Unser himmlischer Vater ist tatsächlich intelligenter als wir. Auch der Prophet Jakob im Buch Mormon erkannte dies und stellt folgende Frage:

 

 

 

„Darum, Brüder, trachtet nicht, dem Herrn Rat zu erteilen, sondern, Rat aus seiner Hand anzunehmen. Denn siehe, ihr wißt selbst, daß er mit Weisheit und mit Gerechtigkeit und mit großer Barmherzigkeit Rat gibt über all seinen Werken.“ (Jakob 4:10)

 

 

 

Ich denke, dass es nur allzu menschlich ist, dass wir versuchen den Herrn Rat zu erteilen, wie er seine Aufgabe erledigen soll. Wir vergessen dabei oft, dass er eine ganz andere Perspektive und Sicht auf die Dinge hat und in seiner unendlichen Weisheit und Güte sein Rat besser ist als unserer.

 

Ich möchte dies an Hand eines Beispiels erklären.

 

Wir gehen doch in der Regel nicht zum Zahnarzt und erklären ihm, wie er seine Arbeit tun soll. Sondern wir gehen zum Zahnarzt, weil wir wissen, dass er uns helfen kann, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Und wenn es mal das eine oder andere größere Problem mit Zahnschmerzen oder Karies gibt, dann wissen wir, dass der Zahnarzt uns helfen wird. Wir gehen zu ihm und erklären ihm, welches Problem wir haben. Der Zahnarzt hört zu, schaut und versucht uns zu helfen. Oft sieht die Hilfe dabei so aus, dass er uns ein paar Schmerzen in Form eines Bohrers zufügen muss. Aber dadurch kann er uns dann von dauerhaften Zahnschmerzen und Entzündungen befreien. Wie dumm wäre es von uns, zum Zahnarzt zu gehen und ihm zu erklären wo wir Zahnschmerzen haben und würden dann den Mund nicht öffnen und einfach wieder gehen. Oder wir würden ihm vorschreiben, dass er nicht bohren darf und ja nicht irgendwas machen darf und gleichzeitig aber den Anspruch haben, dass allein die Anwesenheit des Zahnarztes meine Zahnschmerzen gelindert und die Löcher repariert sind.

 

Liebe Geschwister, warum gehen sie denn noch zum Zahnarzt, wenn er ihnen doch nur den Bohrer nimmt und das Loch vergrößert und uns dabei Schmerzen zufügt? Wir gehen zum Zahnarzt, weil wir ihm und sein Wissen vertrauen. Außerdem haben wir Erfahrungen gesammelt, die uns wissen lassen, dass die kurzfristigen Schmerzen durchs bohren notwendig sind um komplette Linderung zu erfahren.

 

 

 

Wie können wir Vertrauen in unseren Himmlischen Vater entwickeln und sich dieses Vertrauen zu unerschütterlichen Glauben weiterentwickeln?

 

 

 

Es tut mir leid, dass ich heute so oft den Zahnarzt ins Spiel bringe. Aber ich habe festgestellt, dass das Beispiel anhand eines Zahnarztbesuches sich wunderbar eignet für dieses Thema. Und wer weiß, vielleicht wird ihr nächster Besuch beim Zahnarzt ein glaubensstärkendes Erlebnis.

 

 

 

Zurück zu meiner Frage, wie wir Vertrauen in den himmlischen Vater entwickeln. Dies ist ähnlich wie mit dem Zahnarztbesuch. Erinnern Sie sich noch an ihren ersten Zahnarztbesuch? Auch bei mir ist es schon etliche Jahre her und so möchte ich es anhand meiner Söhne erklären. Ich weiß noch, dass wir den Zahnarztbesuch vorbereitet haben, indem wir uns Kinderbücher angeschaut haben, die den Zahnarztbesuch auf einfache Weise erklärt haben. Auch haben wir erklärt, dass nachts Zahnmonster kommen, die die Zähne versuchen kaputt zu machen und der Zahnarzt diese wieder baut. Wir als Eltern und unsere große Tochter sind mutig vorangegangen und haben gezeigt, wie einfach es ist. Einfach hinsetzen und den Mund aufmachen. Der Zahnarzt macht den Rest. Allerdings müssen wir auch die Anweisung des Zahnarztes befolgen, wenn es heißt: Mund weiter aufmachen oder Zunge nach unten oder ausspülen. Auch haben wir unsere Kinder auf den Schoss genommen, um ihnen zusätzliche Sicherheit zu geben. Am Anschluss an die Behandlung gab es immer ein kleines Spielzeug.

 

 

 

Ähnlich ist es mit unserem Himmlischen Vater. Jemand, der bereits Erfahrungen mit unserem Himmlischen Vater hat, steht uns zu Seite. Das können Eltern, Familie, Missionare, Freunde, Priestertumsführer usw. sein. Durch das Schriftstudium und den Besuch der Versammlungen lernen wir, wie wir zu unserem Himmlischen Vater kommen können. Es wird am Anfang ein kleines, vielleicht zaghaftes Gebet sein. Wir merken dann, dass man vor Gott keine Angst haben braucht. Durch das ständige wiederkehrende Gebet und das Bereitsein für seine Behandlungsmethoden schöpfen wir immer mehr Vertrauen und unser Glauben wird gestärkt. Und das schöne ist, jedes Mal, wenn wir uns Gott nähern und den Mund aufmachen erhalten wir hinterher eine Segnung. Manchmal können wir diese vielleicht nicht sofort erkennen, aber über die Jahre lernen wir diese erkennen und entwickeln eine stärke Dankbarkeit.

 

 

 

Manchmal stellt man sich die Frage, wie kann Gott mich verstehen? Er ist doch im Himmel und ist mit dem Problem oder Herausforderung nicht unmittelbar umgeben. Ich denke, dass uns dort die Worte von Joseph Smith Senior Trost und Zuversicht geben können.

 

 

 

„Wie der Mensch ist, so war einst Gott. Wie Gott ist, kann der Mensch werden.“

 

 

 

Mir gefällt das armenische Wort für „Gott“ – „Astvarz“. Dieses Wort bedeutet buchstäblich: „eine Person, die durch den Prozess gegangen ist, Gott zu werden.“

 

 

 

Aus der wunderbaren Vision, die Mose ziemlich zu Beginn seiner Wirkenszeit erhalten hat, erfuhr er, dass Gott für einen jeden das ewige Leben im Sinn hat. Das ewige Leben ist das Leben, welches Gott führt. Gott möchte, dass wir ihm ähnlich werden. Dies müssen wir allerdings nicht von Heute auf Morgen schaffen, sondern wir lernen Schritt für Schritt in unserem eigenen Tempo.

 

 

 

In Lehre und Bündnisse 93, der Offenbarung über die ich zu Anfang schon erwähnt habe, lesen wir über Jesus Christus und seinen Prozess zur Vollkommenheit.

 

 

 

„Und ich, […], sah, daß er [Jesus Christus] zuerst nicht von der Fülle empfing, sondern Gnade um Gnade empfing;

 

und er empfing zuerst nicht von der Fülle, sondern ging von Gnade zu Gnade, bis er eine Fülle empfing;

 

und so wurde er der Sohn Gottes genannt, weil er zuerst nicht von der Fülle empfing.“

 

 

 

Ich möchte auf den Zahnarzt zurückkommen. Der Zahnarzt bei dem meine Frau schon seit vielen Jahren in Behandlung ist, hat einen Sohn. Dieser Sohn hat seinen Vater oft beobachtet und den Wunsch entwickelt, auch Zahnarzt zu werden. Er hat studiert und sich alle Mühe gegeben genauso gut zu werden, wie sein Vater. Heute ist auch er ein guter Zahnarzt in der Praxis seines Vaters.

 

 

 

Wir alle haben das Potenzial in uns so zu werden wie Gott. Uns sind die Hilfsmittel an die Hand gegeben. Unsere größte Hilfe ist unser Erlöser und Heiland Jesus Christus, der vor der Grundlegung der Welt an vorbereitet und auserwählt wurden ist, uns beistehen.

 

 

 

Alma sagt einst:

 

 

 

„Und er wird hingehen und Schmerzen und Bedrängnisse und Versuchungen jeder Art leiden; und dies, damit sich das Wort erfülle, das da sagt, er werde die Schmerzen und die Krankheiten seines Volkes auf sich nehmen.

 

Und er wird den Tod auf sich nehmen, auf daß er die Bande des Todes löse, die sein Volk binden; und er wird ihre Schwächen auf sich nehmen, auf daß sein Inneres von Barmherzigkeit erfüllt sei gemäß dem Fleische, damit er gemäß dem Fleische wisse, wie er seinem Volk beistehen könne gemäß dessen Schwächen.“ (Alma 7:11+12)

 

 

Davon möchte ich Zeugnis geben.